Vincent Fournier, »Reem B #5 [Pal], Barcelona, Spain«, aus: »The Man Machine«, 2010
© Vincent Fournier

Vincent Fournier, »Reem B #5 [Pal], Barcelona, Spain«, aus: »The Man Machine«, 2010
© Vincent Fournier

Von Valerie von Kittlitz 

Am morgigen Freitag, den 10.2.2017, eröffnet das Vitra Design Museum in Weil am Rhein die Ausstellung „Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“. In vier Kapiteln, von Sci-Fi bis Cyborg, dokumentiert sie den unaufhaltsamen Einzug der künstlichen Intelligenz in unseren Alltag. Halt – besser gesagt: unseren unaufhaltsamen Erfindergeist. Denn wie wir gelernt haben, entwickelt sich die Technik nicht von selbst, ‚da sitzen immer Menschen dahinter, die Entscheidungen treffen‘.

Das ist aber nur eine Ansicht einer Debatte, in der die Meinungen zwischen Kritik am App-‚Solutionism’ und positivistischer Technikeuphorie oszillieren. Wir kennen jetzt die verschiedenen Seiten: Produktion und Redaktion der Kooperative haben für’s Vitra die Drähte heiß laufen lassen und die Harddrives mit Expertenmeinungen in clipformat gefüllt. Entstanden sind vier kurze, kontroverse Kompilationen zu den Themenschwerpunkten der Ausstellung. Mit statements von Asimov bis Obama sind beachtliche Stimmen dabei.

Normalerweise besteht die Aufgabe des Produktionsteams darin, einen Moment der Gegenwart in Ton und Bild einzufangen und in eine ästhetische Form zu gießen. Dieses Mal haben wir stattdessen Zukunftsvisionen aus dem Internetarchiv gefischt. Die Postproduktion blieb aber die Gleiche wie immer: im Feinschliff schnappt der Cursor die Timeline entlang und seziert eine Aussage, bis man ihren Widerhall auswendig kennt und sich den Tiefen der Thematik endgültig hingibt.

Die vielen Meinungen schwirren also immer noch in unseren Köpfen. Sie verweisen, alles in Allem, auf die ewig menschliche Sehnsucht nach Perfektion, nach der Überwindung von Zeit und Raum. Roboter, Automobil und Algorithmus sind Umsetzungen von Visionen, deren Konsequenzen uns oft schleichend umhüllen. „Jede Fiktion ist eine Metapher“, sagt die Sci-Fi Autorin Ursula K. Le Guin, und schlägt vor, man möge seine Träume mit Bedacht wählen – da sie zu Wahrheiten werden.

Das haben wir uns zu Herzen genommen und für Euch die nachhal(l)tigsten Aussagen aufgelistet. 

1: Science Fiction

Die Technik entwickelt sich nicht von selbst, sondern da sitzen immer Menschen, die Entscheidungen treffen. Die Ingenieure, die Manager, die Forschungsgeldgeber. (ARMIN GRUNWALD)

Die Entwicklung einer vollumfänglichen künstlichen Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten. (STEPHEN HAWKING)

2: Arbeit

Sollte also die Situation eintreten, dass der technologische Fortschritt die Arbeitsplätze vernichtet, durch die die Menschen überhaupt zu ihrer Kaufkraft kommen – wie sollen wir dann eine florierende Wirtschaft haben? Wie sollen wir dann weiteren Wachstum erwirtschaften? (MARTIN FORD)

Der entscheidende Faktor ist, dass es heute zu einer fundamentalen Ungerechtigkeit führt, wenn der Mensch, der arbeitet, besteuert wird und der Roboter, der dieselbe Tätigkeit ausführt, steuerfrei bleibt. Das ist weder gerecht noch ökonomisch effizient. (THOMAS STRAUBHAAR)

3: Zusammenleben

Die Frage ist, ob es besser ist zu einem Roboter eine Beziehung zu haben, oder überhaupt gar keine. (DAVID LEVY)

Algorithmen können einer Ethik in dem Sinne unterstehen, dass ihr Handeln in der Welt Konsequenzen hat, die wir Menschen als ethisch oder unethisch bewerten. (ZEYNEP TUFEKCI)

4: Cyborgs

Wenn sich jemand für die Zukunft abspeichern möchte, kann er so Informationen über seinen Geist und seine Persönlichkeit hochladen oder sogar mit Informationen über seinen Körper und DNA verbinden. Quasi als Selbsterhaltungsstrategie für die Zukunft. (BRUCE DUNCAN)

Ich denke, dass der Übergang ins Zeitalter der Maschinenintelligenz mit wirklich existentiellen Risiken verbunden sein könnte und eine der gefährlichsten Entwicklungen überhaupt gewesen sein wird. (NICK BOSTROM)

„Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“ am Vitra Design Museum in Weil am Rhein; Eröffnung 10.2.2017; danach wandert die Ausstellung über das MAK in Wien ans Design Museum in Gent.

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