Du benutzt Twitter, Facebook und Co? Hast einen Account bei Google, Amazon und Youtube? Du lässt dir von Algorithmen auf Netflix gerne vorschlagen, welche Serie du dir als nächstes anschauen solltest? Und Trumps Wahlsieg hat dich total überrascht? Dann steckst du höchstwahrscheinlich auch in einer Filterbubble (aber das weißt du aller Voraussicht nach schon lange selbst). Von Fabian Mirau

Mühsam haben wir sie uns aufgebaut. In langer, harter Handarbeit erschufen wir uns kleine, eigene Echokammern, überwiegend faktenresistente Weltbilder. Wir liken, retweeten, entliken, blockieren und folgen Dingen und Personen, Themen und Meinungen. Und die intelligenten Algorithmen von Facebook, Google, Amazon und Netflix nehmen dankend alles auf, was wir ihnen geben. Die wenigsten von uns tun aktiv etwas dagegen. Wieso auch? Eine Bubble, die das eigene Weltbild immer wieder aufs Neue bestätigt, ist ziemlich bequem. Fremde Meinungen, die daran kratzen und widersprechen könnten, sind unerwünscht.

Weg damit! Denn wie informativ können Informationen sein, die aus einem Weltbild stammen, das wir uns selbst zusammengeschustert haben? Wie sinnvoll sind Neuigkeiten, die wir sowieso schon wissen, Meinungen, die wir von Vorhinein teilen? Was bei Netflix und Amazon unter Umständen noch hilfreich ist, kann anderswo bekanntlich, beispielsweise im Facebook-Newsfeed, problematisch sein.

 

So schwierig kann es ja eigentlich gar nicht sein, aus der Filterbubble zu treten, wenn wir selbst für ihr Entstehen verantwortlich sind. Deshalb hier ein paar nützliche Tipps. Von der naheliegendsten Möglichkeit, nämlich bei Facebook, Twitter und Co. unbequeme Meinungen wieder zuzulassen, zweifelhafte Quellen also nicht auszublenden, unbeliebte Freunde bei Facebook nicht zu löschen, sei hier aber aus Gründen der Offensichtlichkeit abgesehen.

Nachrichtenkonsum öffnen

Das Facebook keine Nachrichtenquelle sein kann, ist klar. Trotzdem fällt ein neutraler, offener Nachrichtenkonsum unter Umständen schwer. Dafür gibt’s beispielsweise Newstral, eine Plattform, die Nachrichtenseiten aller Art und auch Blogs überblickt und Topmeldungen in Echtzeit präsentiert. Bestimmte Debatten hingegen können aus verschiedenen Blickwinkeln beispielsweise mit Causa.Tagesspiegel oder (natürlich) Netzdebatte.bpb verfolgt werden. Handverlesene Artikel zu verschiedenen Themen, ganz ohne Algorithmus, bietet außerdem Piqd.

Tools: Mal die „Anderen“ beobachten

Mit der Chrome-Erweiterung FlipFeed“ des MIT Media Lab kann man den Twitter-Stream eines Users aus einer anderen Bubble anschauen als wäre es der eigene. So kann man mal die gegenseitige Sicht auf die Politik und Gesellschaft der USA nehmen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Escape your Bubble. Die Anwendung streut der eigenen Bubble politisch konträre Inhalte in den Facebook-Feed. Für solche und ähnliche Anwendungen gilt leider: Bisher nur in den USA sinnvoll nutzbar. Dort allerdings sind die Auswirkungen von Echokammern und Filterbubbles bisher auch am deutlichsten spürbar.

Algorithmen das Leben schwerer machen

Man muss außerdem nicht alles tun, was Algorithmen gefällt. Auf Facebook beispielsweise kann man die automatisch erstellten Interessen, die durch von uns angeklickte Werbeanzeigen entstehen, löschen. Und sowieso ist es natürlich sinnvoll, sparsam mit Likes und Klicks auf der Plattform umzugehen.

Die Suche über Google findet außerdem immer personalisiert statt. Beispielsweise haben der aktuelle Standort, der Suchverlauf, Aktivitäten des Google-Kontos und Sucheinstellungen Einfluss auf Suchergebnisse. Das kann man zwar teilweise umgehen, die Nutzung einer anderen Suchmaschine ist aber wahrscheinlich einfacher und langfristig sinnvoller. Einige werben vor allem damit, keinerlei Nutzerdaten zu sammeln. Da gibt es zum Beispiel:

– DuckDuckGo 
– Qliqz
– Ixquick
– Ecosia
– Qwant
– Unbubble

Eine längere Liste an Suchmaschinen inklusive jeweiligen Kurztest liefert darüber hinaus t3n.de. 

Außerdem nützlich

Ferner gibt es einige Ansätze, die nicht direkt mögliche gesellschaftlich und politisch relevante Probleme aufgreifen, sondern einfach die Idee hinter Algorithmen, die uns Empfehlungen geben wollen, kritisieren. Bei Spotify kriegt man überwiegend das vorgeschlagen, was andere Nutzer auch gerne hören. Also Künstler, die sowieso schon erfolgreich sind. Forgotify hingegen schlägt einem Lieder vor, die weniger bis gar nicht bekannt sind und somit vom Algorithmus übersehen werden. Ähnlich funktioniert NolikesYet für Instagram. Hier werden Inhalte vorgeschlagen, die bisher noch keine Likes bekommen haben.

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