Der Journalismus liegt im Sterben. Und alle schauen weg. Nur wir nicht. Wir können Blut sehen, wagen einen Blick in die Zukunft und berichten auf der re:publica 2015 live und in Echtzeit aus dem Jahr 2020: Der Journalismus ist verschwunden. Facebook hat Netz und Medien komplett kolonialisiert. Und jetzt? Nur die öffentlich-rechtlichen Medien bleiben über. Sie sind sogar cool. Das geht nicht? Klar geht das! Aber vorher muss einiges passieren. Öffentlich-Rechtlcihe auf LSD? Wir haben 11 erste Thesen halluziniert. Kommt auf einen Trip mit uns!

WAS: Öffentlich-rechtliche Medien als digitales Paradies – eine Halluzination!
WANN: Mittwoch, 06.05., 15:00-16:00
WO: re:publica, Stage 8

1 Verfügbarkeit der Inhalte: Alle öffentlich-rechtlich produzierten Inhalte gibt es in einem digitalen und onlinebasierten sogenannten D-Player. Öffentlich-rechtliche Inhalte sind überall und zeitlich unbegrenzt verfügbar. Rechtliche Fragen wie Autoren- und Mitwirkendenverträge müssen gelöst werden. Archive sind zudem öffentlich.

2 Medienpolitik: Partizipation ist Realität, Dialog Alltag. Die Kontrollgremien werden öffentlich gewählt. Jeder Wahlberechtigte kann Mitglied eines Kontrollgremiums werden.

3 Verantwortung für Innovation: Öffentlich-rechtliche Medien tragen gerade mit Blick auf den technologischen Fortschritt und ihre Sonderstellung im Medienwettbewerb eine besondere Verantwortung für die Weiterentwicklung der publizistischen Innovation. Diese publizistische-technische Innovation wird Teil ihres staatsvertraglichen Auftrags. Darüber hinaus fließen 25% aller Gebührenmittel in einen Innovationspool. Mittel aus diesem Innovationspool sind für alle zugänglich. Ein Board aus Vertretern der Rundfunkanstalten und der Kontrollgremien vergeben die Mittel vierteljährlich.

4 Grundversorgung I: Grundversorgung muss alle Menschen erreichen und ist plattformunabhängig. Aufgrund technischer Innovationen (Digitalisierung, Onlinekommunikation) einerseits und sinkenden Marktzugangsschwellen für Dritte andererseits, werden die linearen Angebote der Rundfunkanstalten für Radio und Fernsehen um ca. 50 % reduziert. 25 % der frei werdenden Mittel werden für Innovation durch Dritte zur Verfügung gestellt. Weitere 25 % der Mittel setzen die Rundfunkanstalten für die Entwicklung und Distribution von Inhalten auf nicht linearen elektrischen Kanälen ein.

5 Grundversorgung II: Grundversorgung bedeutet aber auch, dass öffentlich-rechtliche Medien ihre Korrespondenznetze und Produktionsstrukturen für Dritte bereitstellen.

6 Grundversorgung III: Öffentlich-rechtliche Medien fordern und benötigen Netzneutralität! Sie sind aber auch kostenfrei für Nutzer über Mobilfunknetze verfügbar. Hierzu handeln die Rundfunkanbieter Verbreitungsverträge mit deutschen Providern aus.

7 Erfolgskriterien: Für Rundfunkanbieter, Programme und Sendungen werden fortlaufend Erfolgskriterien entwickelt. Diese Erfolgskriterien sind nicht nur quantitativer Art, sondern auch qualitativer Art. Die Erfolgskriterien sind öffentlich. Sie werden fortlaufend evaluiert (siehe Medienforschung).

8 Bildungsauftrag: Öffentlich-rechtliche Medien gehen ihrem Bildungsauftrag nach. Inhalte werden explizit in Kooperation mit Bildungsinstitutionen entwickelt. Neben der Entwicklung expliziter Inhalte und Verbreitungswege für Bildungsinstitutionen schaffen die Rundfunkanbieter eigenen Bildungsangebote auf Basis eigener Inhalte (z.B. MOOCs etc.). Auch die Vermittlung von Medienkompetenz ist Teil des staatsvertraglichen Auftrags.

9 Medienforschung: ist ein permanenter öffentlicher Prozess. Quantitativer Erfolg ist immer nur ein Teil des staatsvertraglichen Auftrags (siehe oben). Medienforschung hat immer das Ziel Nutzer in den Mittelpunkt zustellen. Das heißt nicht, dass ausschließlich quantitativ erfolgreiche Sendungen weiterentwickelt werden.

10 #WWMH: – weniger weiß, männlich, hetero. Im Hinblick auf die Geschichte der Intendanten der ÖRM sind sämtliche Intendant_innenposten innerhalb der nächsten 30 Jahre ausschließlich an Frauen zu vergeben.

11 Die Haushaltsabgabe ist einkommensabhängig.

Seit vielen Jahren arbeiten wir in und mit öffentlich-rechtlichen Medien – als Strategieberater_in, Redakteur_in, Autor_in. Wir sind parteiisch, weil wir an das Konzept glauben. Aber wir glauben auch, dass es sich verändern muss. Auf der diesjährigen re:publica starten wir in die Feldforschung zur Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen und sammeln unter #örr2020 und auf www.örr2020.org Thesen, Ideen, Kommentare und Visionen! Schickt uns eure Halluzinationen und diskutiert mit uns live auf der re:publica!

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