#netbeat 27/15: Neuland, Kaltland, Crowdland?

Das Netz auf der Überholspur: Während innovative Ideen und Projekte im ganzen Netz zuhause sind – und auch die Wirtschaft längst von öffentlichkeitswirksamer Online-Arbeit Wind bekommen hat – hängt doch noch so einiges hinterher. Auf dem Sprung zum #digitalturn befinden wir uns noch immer auf einer Großbaustelle: weite Flächen, viele Maschinen und vereinzelte Konturen sind bereits sichtbar.

Das Reißbrett zu dieser Baustelle bietet jetzt schon unser #netbeat. Wöchentlich kuratiert von den Kooperateuren für Euch: Das Beste aus Netzpolitik, Kultur, Medien, digitaler Bildung, Politik und Zeitgeschichte.

Politik: Innovatives Förderungsmodell für soziale Projekte

von Laura Casadevall

Sogenannte „Social Impact Bonds“ (dt. „Sozialer Wirkungskredit“) sollen mit wirtschaftlichen Methoden die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit verändern. Das ganze funktioniert, wie im Video erklärt, folgendermaßen:

Quelle: McKinsey&Company

Es wird also ein Vertrag zwischen Staat, Investoren_innen und Sozialenunternehmen geschlossen. Ein Intermediär wird als neutrale Instanz eingeschaltet, um das Projekt zu überwachen und zu bewerten. Zunächst investieren die Investoren ihr Geld in die Arbeit der Sozialunternehmen. Es werden vorab feste, messbare, soziale Ziele vereinbart, die erreicht werden sollen. Schaffen die Sozialunternehmen die Erreichung des Ziels innerhalb des festgelegten Zeitraumes, so wird das Investment inkl. Rendite an die Unternehmen zurückgezahlt – und zwar vom Staat. Werden die Ziele nicht erreicht, so bekommen die Unternehmen auch nichts zurück. Nun gibt es auch in Deutschland ein erster Pilotprojekt: die „Eleven Augsburg“. Mal gespannt wie es angenommen wird.

Medien: What’s in my bag?

von Arjan Dhupia

Was trägt ein Flüchtling mit sich? Das „International Rescue Committee“ hat verschiedene Menschen auf ihrer Flucht gebeten, ihre Habseligkeiten aus der Heimat zu präsentieren. Leider sind es oft wirklich nicht mehr als 7 Sachen, die ein Flüchtling mit sich trägt. Unter ihnen befinden sich eine Mutter, ein Kind, ein Teenager, ein Pharmazeut, ein Künstler sowie eine Familie mit 31 Mitgliedern. Anhand der gezeigten Gegenständen reflektieren sich sowohl die Vergangenheit der Geflüchteten als auch deren Hoffnungen auf die Zukunft. Ein äußerst wirksamer Artikel – man muss sich schließlich vergegenwärtigen, dass diese Menschen ihr vollständiges Hab und Gut offenlegen, und selbst wenn dieses nicht viel an sich ist, so bleibt der psychologische Mechanismus dahinter doch derselbe.

Quelle: International Rescue Commitee

Netzpolitik: Deutscher Digitaler Rückstand

von Oliver Baumann

Klar, für die Politik ist das bekannt #Neulandundsoweiter. Trotz Enquete Kommission und Digitaler Agenda wurde noch nicht so richtig verstanden, dass Digitalisierung NICHT heisst, wir haben unsere Inhalte nun auch online. Die Hochschulen? Ja, auch die brechen gefühlt gerade erst auf #DigitalTurn. Aber was ist mit Stiftungen? Diese steuerbegünstigten Organisationen, die eigentlich weder markt- noch politik, noch Drittmittelgetrieben sein müssten? Sebastian Haselbeck, u.a. ehemaliger Geschäftsführer des Internet&Gesellschaft Collaboratory (u.a. durch Google finanziert) schreibt, dass die Stiftungen eigentlich die Treiber der Digitalisierung in Deutschland sein könnten, aber … leider „haben sie die Rolle als politische Agenda-Setter, im Rahmen der Gestaltung des Digitalen Wandels bisher nicht ausfüllen können.“

Quelle: flickr von Ged Carroll (CC BY 2.0)

Digitale Bildung: Mit Crowdfunding zur Einschreibung

von Roman Twork

Viele Schulabsolvent_innen kennen das Problem – die Zulassungsbeschränkungen für den Wunschstudiengang sind zu hoch. Entweder heißt es dann warten, eine einschlägige Ausbildung aufnehmen oder einfach etwas anderes studieren. Im Gegensatz dazu stehen geflüchtete Menschen zuallererst einmal vor dem Problem, dass ein möglicher Zugang zum Bildungssystem an ihre Staatsbürgerschaft oder an ihren Aufenthaltsstatus geknüpft ist. Das Recht auf Bildung? Immerhin ein deklariertes Menschenrecht. Doch selbst geflüchteten Studierenden ist es in den meisten Fällen nicht gestattet, dass sie ihr begonnenes Studium weiter fortführen. Die „Kiron University“ will das ändern. Das großangelegte Crowdfundingprojekt hat es sich zum Ziel gesetzt, Flüchtlingen den Zugang zum Hochschulsystem zu ermöglichen. Durch internationale Abkommen können MOOCs (Massive Open Online Courses) der renommiertesten Universitäten frei zur Verfügung gestellt werden. Zwei Jahre sofortiges Online-Studium und das dritte Jahr an einer der Partneruniversitäten – so weit alle benötigten Dokumente dann vorliegen..

Quelle: Kiron University

Medienethik: Das gekaufte Web

von Markus Uehleke

Wenn Blogger_innen und Online-Redakteur_innen der strikten inhaltlichen Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten – eigentlich ein prämissenhaftes journalistisches Selbstgebot (s. Pressekodex) – Lebewohl sagen, dann kann schnell der Vorwurf auftauchen, es handle sich bei solcherlei Beiträgen um eine gezielte Manipulation der Leserschaft. Diese lassen sich die Blogger_innen (bzw. Forentrolls) natürlich gut bezahlen, begeben sich damit allerdings auch in die Abhängigkeit ihrer PR-Auftraggeber_innen. Diesen und weitere Zusammenhänge resümiert René Neumann in seinem Artikel „Das gekaufte Web – Wie wir online manipuliert werden“ zur gleichnamigen Buchveröffentlichung von Michael Firnkes.

Quelle: flickr von Dennis Skley (CC BY-ND 2.0)

Medien: Zehn von 800.000

von Kerstin Born

Beweggründe: Zehn Geschichten von Flucht und Ankunft. Die Berliner Morgenpost porträtiert Asylsuchende aus verschiedenen Ländern, die es bis Berlin und Brandenburg geschafft haben und zeigt dabei auch deren Heimat und die Fluchtroute. Warum sie geflohen sind, was sie dabei erlebt haben und was sie motiviert trotz des Verlustes ihrer Heimat weiterzumachen, ist hier nachzulesen. Eines noch vorweg: Wenn Herr Straubinger (CSU) tatsächlich meint, es werde „nicht überall in Syrien gekämpft“, dann sollte ihm genau darauf die Antwort von Rana, Asylsuchende aus Syrien, entgegengehalten werden: „Ich denke, niemand will wirklich aus seinem Land fortgehen. Wir mussten das tun. Sie wollten meinen Mann in die Armee einziehen. In Syrien ist das der sichere Tod.“ Das mag sowohl für Aleppo als auch für Damaskus gelten.“

Quelle: flickr von Montecruz (CC BY-SA 2.0)

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