#netbeat 15/16: Palim Palim, Zschäpes Jugendzimmer, Self-Publishing-Day, Welttag des Buches

#netbeat 15/16: Palim Palim, Zschäpes Jugendzimmer, Self-Publishing-Day, Welttag des Buches

Am 9.April war der dritte Self-Publishing-Day, am 23.April ist der Welttag des Buches. In der Buchbranche tut sich gerade einiges. Wir haben Schlaglichter geworfen. Welche Angebote gibt es gerade im Netz für Selfpublisher? Wer hilft den Selbstverlegern bei den vielen Fragen weiter? Und welche Angebote gibt es für Leser an lizenzfreie Texte und kostenlose Hörbücher zu kommen (Spoiler: viele)?

Im #netbeat_reloaded findet ihr wie immer die besten Links der Woche. Kuratiert von den Kooperateur_innen für euch: das Beste aus Netzpolitik, Kultur, Medien, digitaler Bildung, Politik und Zeitgeschichte.

Unter anderem mit einer Anregung die Causa Böhmermann neu zu lesen, den Hinweis im Rahmen des Filmfestivals Futurale Arbeit weiter zu denken und der Empfehlung sich postsozialistische Kinderzimmer anzusehen, um Beate Zschäpe besser verstehen zu können.

 

INHALT

Selfpublishing und Welttag des Buches

Alle Antworten für Do-It-Yourself-Buchmacher: die Self-Publisher-Bibel

Was gibt’s neues von Amazon?

AuthorWing nimmt angehende Autoren unter ihre Fittiche

Überblick über kostenlose EBooks und Hörbücher im Netz

 

#netbeat_reloaded

Palim Palim – Die Böhmermannsache explodiert

Arbeit 4.0 – das Filmfestival in Potsdam

Postsozialistische Kinderzimmer besuchen – die Ausstellung Aufbau Ost

 

Screenshot Self-Publishing-Bibel

Screenshot Self-Publishing-Bibel

Alle Antworten für Do-It-Yourself-Buchmacher: Self-Publisher-Bibel

von Tim Holland

Der Name der Seite spricht für sich. In der Self-Publishing-Bibel finden Interessierte ihre Erkenntnis. Von einem Glossar der wichtigsten Begriffe (all die Ebook-Anbieter Skoobe, Overdrive, Readfy) über Marketingtipps und Schreibkurse bis zu den neusten Zahlen aus dem Ebook-Markt, samt den aktuellen Verkaufs-Charts von Amazon, Thalia und Co. Der Autor Matthias Matting, studierter Physiker und einer  „der erfolgreichsten deutschen Self-Publishing-Autoren“, steht zu allen Themen rund um Self-Publishing Rede und Antwort. Für einen Ein- und Überblick.

 


 

Was gibt’s neues von Amazon?

Sophia Koistinen

Seit 2011 ermöglicht das Amazon Angebot „Kindle Direkt Publishing“  jedem kostenlos und in Sekundenschnelle Werke zu publizieren. Manch einer könnte sich Fragen ob gerade bei Literatur vielleicht doch lieber Qualität als Quantität gefragt ist. Titel wie „Gebet gegen Homo-Ehe, Windräder, Stromtrasse, Massentierhaltung und Israelische Besatzungsmacht“, „Holzschalen und Kerzenleuchter mit der Kettensäge schnitzen“ oder „Häkeln im Urlaub“ scheinen sich sogar zu verkaufen. Die ganze Liste findet ihr hier.

Wer Bücher als gedruckte Versionen bevorzugt, sie aber trotzdem schnell geliefert haben will, kann sich auf Amazons neue Lieferdrohne freuen. Ende November vorigen Jahres wurde diese vorgestellt, hat aber noch keine Erlaubnis für den Dienstaufnahme erteilt bekommen. Um Kollisionen von Drohnen mit anderem Flugverkehr zu vermeiden haben Amazon der Luftfahrtaufsicht vorgeschlagen, Luftkorridore einzurichten. Wieviel die künftige Drohnenzustellung von Paketen kosten wird, ist noch unklar.
Laut Gerüchten, will Amazon demnächst auch offline dem stationären Buchhandel Konkurrenz machen. Im Februar bestätigte die New York Times die Pläne, hunderte von Buchläden zu öffnen. Auch der Deutsche Markt kommt für die neue Verkaufsstrategie in Frage. Vorerst wird der Onlinehändler aber mit seinem neuen, superflachen Reader Oasis versuchen auf dem E-Reader-Markt weiter Furore zu machen.

 

Screenshot AuthorWing

Screenshot AuthorWing

Unter die Fittiche genommen – Autorenplattform AuthorWing

von Tim Holland

Du willst Autor werden, traust dich aber alleine nicht? Dann gibt es jetzt einen Ausweg. Alle zermürbenden Fragen auf dem Weg zur Autorschaft sind nun kostenlos bei einem digitalen Mentor abzugeben. AuthorWing bietet diese Möglichkeit. Dort können Schreibanfänger mit „erfahrenen“ Autoren (Wings) Kontakt aufnehmen und sich austauschen. Schützlinge wie erfahrene Wings geben in ihren Steckbriefen an, in welchem Genre sie schreiben (vornehmlichFantasy und SciFi) und wo sie gerne publizieren würden beziehungsweise bereits haben. Bezeichnend: die Schützlinge streben an, bei herkömmlichen Verlagen ihre Texte unterbringen zu wollen und sich den Ritterschlag der Buchbranche abzuholen. Die „Wings“ sind fast durchgehend Selfpublisher. Gerade auf einer Seite, die angehende Autoren emanzipieren möchte, ist das Zwei-Klassen-Denken innerhalb des Literaturbetriebs dann doch offensichtlich.

Flickr

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Kostenlos Lesen und Hören

von Tim Holland

irigths hat sich die Mühe gemacht und Orte im Internet aufgelistet, an denen  man gemeinfreie und kostenlose EBooks und Hörbücher downloaden kann. Dort findet man beglückende Hinweise auf tolle Autoren wie Francis Nenik und Cory Doctorow, die ihre Romane mit freier Lizenz veröffentlichen. Oder auch einfach die Erinnerung, das die deutschsprachige Wikisource mittlerweile 34.908 Werke in ihrem Bestand hat, das englischsprachige Project Gutenberg über 50.000 Titel verzeichnet und auf Vorleser.net, bei LibriVox und auch im BR-Hörspiel-Pool kostenlos eine aberwitzige Anzahl an Hörstunden zur Verfügung stehen.


#netbeat_reloaded: Was sonst diese Woche noch los war

Screenshot Facebook

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„Palim Palim“ – langsam reicht’s. Die Causa Böhmermann hat eine Eigendynamik erreicht, die sich schon lange vom Vorfall selbst und dem eigentlichen Ausgangspunkt verabschiedet hat. Kaum einer redet noch über die Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei unter Böhmermann, die im Extra3 – Beitrag Mitte März Ausgang der Auseinandersetzung war.

Dann griff Böhmermann im Neo Magazin Royale den Ball auf und verschärfte den Schuss. Kalaidoskopartig sind seither die Perspektiven auf die „Schmähkritik“ Böhmermanns auseinandergesprungen. Dieter Hallervorden vereint mit seiner Wortmeldung  zumindest zwei in sich. Vor drei Tagen sprang er auf den Empörungszug auf und bat den „Werbemann Erdogan“ mit deutschmöglichster Schunkelmusik , ihn auch anzuzeigen (zumindest nennt er ihn „Terrorist“). Soldarischer Schulterschluss ist auch dann nett, wenn sie mitreflektiert, was sie für einen selbst bedeutet: mal wieder in den Medien sein abseits von Til Schweiger Filmen. Aber Hallervorden entblödete sich nicht mit der letzten Zeile „Erdogan, Deutschland ist nicht Kurdistan“, genau der Lesart des Falles Böhmermann Ausdruck zu verleihen, die die stolzen Verteidiger des Abendlandes bevorzugen.

Türkei-Bashing scheint dieser Tage einfacher denn je. Wichtig, dass es reflektierte Stimmen wie den türkisch-deutschen Comedian Serdar Somuncu gibt. Bei Anne Will stritt er für die Kunstfreiheit, stellte die wichtige Frage nach der Erpressbarkeit der Bundesregierung und setzte den Anwesenden die Rolle Erdogans für die Türkei dezidiert auseinander. Sehenswert.

Schön wäre, wenn man mit Verlauf der Diskussionen zu den bekannten Lesarten weitere hinzugewinnen würde. Was ist, wenn Böhmermann eigentlich auf die aufgeblasene Selbstzufriedenheit des deutschen Michels hinauswollte? Seit geraumer Zeit wähnt der sich wieder moralisch überlegen. Deutschland weiß wie man den Euro für alle rettet, mit Geflüchteten umgeht und auch Pressefreiheit wertschätzt. Dabei lässt sich sehr tugendhaft so ein bisschen Salonrassismus kultivieren. Das Video „Be Deutsch“ legt die „Schmähkritik“ als Verlängerung dieses Gedankens nahe.

Oder aber, es handelt sich um einen weiteren genialen Schachzug von Böhmermann: #erdofake. Böhmermann und Erdogan wollten nur zeigen, wie schnell aus Spaß Ernst werden kann. TH

 

15:16_Aufbau_Ost_fin

Screenshot Galerie Wedding

Die Süddeutsche titelte bereits: „Wie in Beate Zschäpes Jugendzimmer“. In der Galerie Wedding ist derzeit Mobiliar aus postsozialistische Kinderzimmern ausgestellt, die das Aufwachsen in den 90ern in Ostdeutschland wiedererfahrbar machen. Innerhalb der Ausstellung Aufbau Ost sind auch Video-, Sound- und Installationsarbeiten zu sehen.

Noch bis 14.Mai 2016 zu sehen: Galerie Wedding, Müllerstraße 146/147 13353 Berlin TH

 

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales will Arbeit weiter Denken. Dies tut sie seit Herbst 2015 im Rahmen des Filmfestivals Futurale. Sieben Filme werden zum Thema gezeigt und in anschließenden Expert_innen-Runden zusammen mit den Zuschauern diskutiert. Das Besondere: Das Festival ist auf Tour.

Vom 14. – 20.April 2016 gastiert es in Potsdam, danach folgt Tübingen, Dortmund, TH

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