#netbeat 25/16: Not und Spiele
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Not und Spiele soweit man blickt. Das „Zentrum für politische Schönheit“ hat wieder zugeschlagen. Und Correctiv.org hat einen Film im Abschiebegefängnis gedreht. So viel zur Not. Am Wochenende lockt das E-Book Festival.

 

Im #netbeat findet ihr wie immer die besten Links aus Netzpolitik, Kultur, Medien, digitaler Bildung, Politik und Zeitgeschichte. Diese Woche zusammengestellt von Tim Holland und Maximilian Weis.

 

Der Sommer des Sterbens


„Der Sommer des Sterbens 2016 ist angebrochen. Es gibt keine Zeit zu verlieren.“ Gewohnt drastisch bewirbt das Zentrum für politische Schönheit seine neuste Aktion. In Kürze: Das Zentrum geht der Kinderfrage nach, warum die Geflüchteten nicht einfach per Flugzeug nach Deutschland kommen, sondern geführt von Schleppern, den gefährlichen Weg übers Mittelmeer wagen. Ein aufhebbares Gesetz verhindert das. Um das Parlament zur Korrektur dieses Gesetzes zu zwingen werden 100 Geflüchtete am 28.Juni von Izmir (Türkei) nach Berlin geflogen. Wie bei einer Casting Show kann man dabei vorab für die Geflüchteten abstimmen und per Crowdfunding (Ziel 80.000€) den Jungfernflug der „Joachim I“(sic) unterstützen. Soweit so gut. Sollten die Bundesregierung die Landeerlaubnis verweigern, werden die Geflüchteten in einer Arena unter den Linden zum Fraß vorgeworfen werden. Die „Flugbereitschaft der deutschen Zivilgesellschaft“ kämpft gegen die Ignoranz der politisch Herrschenden. Das Bonmot „Not und Spiele“ könnten wir in Zukunft öfter hören. Tim Holland

Schicksale im Zahlenraum bis 20.000


Im vergangenen Jahr wurden 20.000 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Doppelt so viele wie noch 2014.
Manche leben ohne gültige Papiere in Deutschland, bei anderen wird der Asylantrag abgelehnt, manche sind straffällig geworden. Wer eine freiwillige Ausreise ablehnt, landet in einem Abschiebegefängnis.
20.000 Menschen im vergangenen Jahr wurden abgeschoben. Zwanzigtausend. Hinter jedem einzelnen dieser 20.000 steckt eine Geschichte, ein Schicksal. Correctiv.org hat eine Handvoll dieser Geschichten in einem eindrucksvollen Zwanzigminüter zusammengetragen. Gefilmt wurde in einem Abschiebegefängnis in Büren, Westfalen; einem der größten in Deutschland. Absolut anschauenswert! Maximilian Weis

 

 

Screenshot: 2016.electricbookfair.de

Screenshot: 2016.electricbookfair.de

2016. Medienwandel, der Buchmarkt bricht schon lange und nachhaltig um. Aber wie funktioniert das digitale Büchermachen eigentlich? In Berlin Neukölln findet am 25.und 26. Juni zum dritten Mal das E-Book Festival statt. Man diskutiert über „Challenges and Opportunities“ und „Schnelligkeit und Dynamik“ beim digitalen Publizieren. Und wie das so ist im digitalen Raum, alles findet gleichzeitig statt. Das Barcamp bietet Möglichkeiten in die unterschiedlichsten Aspekte des digitalen Buchmarktes („Amazon kann auch nicht alles“) und der verlegerischen Arbeit einzusteigen („Verlagsprozesse agil gestalten“). Am Abend findet dann der unterhaltsame Teil statt: Metadatenlesung und Datendada. Wer neue Ideen hören will und die gegenwärtigen Akteure kennenlernen möchte, dem ist die kleine, feine Messe ans Herz gelegt. Tim Holland

Foto(s): Pixabay, Wikimedia (Onsemeliot)

Foto(s): Pixabay CC0; Onsemeliot, Edward Joseph Snowden, remix von Kooperative Berlin, CC BY-SA 4.0


 

Märchenstunde über alle Maaßen

Snowden könnte ein russischer Agent sein. Beweise dafür gibt es genug. Naja oder auch nicht. Aber im verschwörerischen Weltbild eines Mannes klingt die Schlussfolgerung plausibel. Der Informant, nennen wir ihn zwecks Quellenschutz H.-G. Maaßen…oder vielleicht lieber Hans-Georg M., sieht diese Behauptung als logische Konsequenz der Faktenlage an. Also dem, was er als Faktenlage sieht: Russland führt einen Propagandakrieg gegen Westeuropa und die USA. Snowden schadet mit den Äußerungen der Beziehung zwischen Europa und den USA. Ergo muss er dann eine Schachfigur im Propagandakrieg der Russen sein, ein Agent auf der Gehaltsliste des ungeliebten Kollegen im Osten. Dass beispielsweise die Aussage, Snowden hätte bewusst Russland als Fluchtort gewählt, Schwachsinn ist, stört die Spekulationen wenig.
Wir sollten dem viel erfahrenen Geheimdienstler hier vertrauen. Er, der in der Kontrollaufgabe der gewählten Parlamentarierinnen und Parlamentarier eine Behinderung seiner Arbeit sieht und die Schuld für etwaige zukünftige Anschläge quasi prospektiv dem Untersuchungsausschuss und der damit verbundenen Mehrarbeit für seine Behörde gibt, scheint wirklich was von seinem Fach zu verstehen.
Vermutlich wird am schwarzen Brett des Bundesamtes für Verfassungsschutz bald eine neue Stellenausschreibung hängen: #Märchenonkelgesucht. Maximilian Weis
 

 

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