Wir haben es geschafft! Und zwar auf die Facebook-Seite der AfD Deutschland mit unserem Format Auf Klo. Fühlt sich an wie ein Ritterschlag. Denn wenn die AfD dich disst, hast du vermutlich einiges richtig gemacht. Aber von vorn. Wieso gehen wir jeden Donnerstag zu zweit Auf Klo und wieso hat die AfD ein Problem damit? Von Lydia Meyer

Quelle: AfD (Facebook)

Lügenpresse, Zwangsgebühren, it’s all Fake News

In einem Facebook-Post hetzt die AfD gegen unseren Auftraggeber funk – ein öffentlich-rechtliches Angebot für junge Menschen, die sich im Internet bewegen. Weil die AfD ein Problem mit Demokratie hat, hat sie natürlich auch eins mit den Öffentlich-Rechtlichen (für die die Alliierten btw nicht ohne Grund 1945 den Weg ebneten). Es gibt sie nämlich, weil die Presse zur Zeit des Nationalsozialismus gleichgeschaltet war und genau aus dem Grund werden die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland eben nicht mithilfe von Steuern, sondern mithilfe des so genannten Rundfunkbeitrags finanziert. Damit sie eben KEIN Staatsfunk sind, sondern unabhängige Anstalten öffentlichen Rechts. Daher zahlen wir jeden Monat den Rundfunkbeitrag.

Und der finanziert unter anderem auch unser Format Auf Klo. Die AfD ärgert das, weil wir all das sind, wovor sie Angst hat: witzig, offen, feministisch. Und dabei auch noch selbstironisch: wir treffen uns in einer Klokabine, um über „Frauenthemen“ zu reden – voll stereotyp und so. Und dann sind da auch noch Menschen, die Frauen* sind, die trans* sind und nicht alle gleich aussehen. Menschen, die ihre Meinung sagen, die dick sind und das okay finden, die Feministinnen sind, die Essstörungen und Depressionen hatten oder haben und die auf all das eine gesellschaftskritische Perspektive haben und anderen Mädchen und Frauen ihre Geschichten erzählen wollen, damit sie es vielleicht besser machen können. Eine Talkshow außerhalb eines grauen Studios, die sich abgesehen davon auch noch hauptsächlich an Frauen* richtet, kontroverse Themen und Gäste behandelt. UND DAS VON UNSEREN GEBÜHREN!!111elf!111 VOLKSVERDUMMUNG! Wir wollen, dass alle alles dürfen, solange sie niemandem damit weh tun – und das bringt so ein starres Weltbild, wie die AfD es vertritt, ziemlich ins Schleudern.

Mutter, Vater, Kind ?

Das Familienbild der AfD ist eindimensional: Mutter, Vater, Kind (oder am besten gleich fünf) ist das, was die Partei gern hätte. Und Frauke Petry macht das ja ganz gut vor mit diesen Kindern. Diese Familie ist nämlich für die AfD eine „Keimzelle der Gesellschaft“. Damit da immer mehr tolle Deutsche rauskommen und so. Welches Verhältnis die AfD zu Rassismus hat, müssen wir ja niemandem erzählen.

Keimzellen gibt’s für uns im Garten. Eine Familie hingegen kann vieles sein: Soziale Elternschaft, alleinerziehende Mütter oder Väter, Menschen, die keine Kinder wollen, zwei Mütter, zwei Väter, drei Väter, eine Mutter, nichtbinäre Familienkonstellationen, Patchwork-Familien, polyamouröse Beziehungen sind für uns genauso legitim wie Menschen, die Sex nicht zum Kinderkriegen haben, sondern einfach, weil sie Spaß dran haben. Mit einer Person, mit zweien, mit fünf oder mit sich selber. Mit Penis oder ohne. Geht Frauke doch nichts an. Familie kann vieles sein. Nicht nur Mutter, Vater, Kind. Wem tut es weh, wenn ein Kind zwei Mütter hat?

Gender-Ideologie? WTF? 

Aber das ist nicht das einzige Problem, das die AfD mit uns zu haben scheint. Laut AfD und ihren Fans sind wir nämlich Anhängerinnen einer „Gender-Ideologie“. Weil wir nicht an ein binäres System glauben und es okay finden, wenn Menschen als Mädchen geboren wurden, und trotzdem Mann sind. Oder beides sind. Oder keine Lust haben sich in eine von zwei Kategorien einzuordnen. Ist doch nicht so wichtig. Wir wollen, dass alle alles dürfen und dabei nicht von ihren Geschlechtsteilen eingeschränkt werden. Was ist daran Ideologie? Ist es nicht vielmehr Ideologie, Menschen auszuschließen oder zu verachten, weil sie eben nicht nur „Mann“ oder „Frau“ sein wollen oder können? Denen es schlicht egal ist, was zwischen ihren Beinen hängt?

Stereotypen zerkloppen!

Wir wollen eine Welt, in der alle alles dürfen. Eine, in der Mädchen keine pinken Klamotten tragen müssen, es aber gerne tun können, wenn sie Bock drauf haben. Eine, in der Jungs sich schminken dürfen, wenn sie möchten. Eine, in der Menschen sich nicht durchgehend für irgendwas entscheiden müssen, weil andere es von ihnen verlangen. Eine, in der Menschen Sex haben können, um Kinder zu bekommen, aber auch Sex haben dürfen, weil sie einfach Sex haben möchten. Egal mit wem. Eine Welt, in der eine Vater-Mutter-Kind-Familie voll okay ist, aber nicht das einzig richtige. Wir wollen alles für alle. Am besten umsonst. Und sofort. Unabhängig von Bildung, Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft und Religion. Das und nicht weniger. Deshalb machen wir das im Internet. Da, wo unsere Zielgruppe ist: auf YouTube. Dieser Plattform, die überquillt vor Stereotypen und Sexismus, vor Produktplatzierungen, Werbung und unerreichbaren Schönheitsidealen. Bildungsauftrag: check!

Das Private ist politisch ¯\_()_/¯

Mit Alice Weidel schickt die AfD nun selbst eine lesbische Frau als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf. Eine, die nicht möchte, dass man ihr „Privatleben“ für Politik „instrumentalisiert“. Eine, die meint, man müsse das Private vom Politischen trennen: In der Talkshow „Menschen bei Maischberger“ vor rund einem Jahr antwortet Weidel auf die Frage, wie denn ihre sexuelle Orientierung mit dem Familienbild ihrer Partei zusammenpasse, dass es der AfD um die Trennung von Privatem und Politischem gehe. Ein Widerspruch? Nur auf den ersten Blick.

Denn es liegt in der Natur von Sexismus, Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit, dass sie sich gegen Menschengruppen richten – nicht gegen einzelne Individuen. Aber in der Realität treffen sie einzelne Personen. Das „Private“ – gerade im Falle der AfD – durchaus politisch – sonst würden sie schließlich nicht das „Bekenntnis zur traditionellen Familie als Leitbild“ in ihr Parteiprogramm schreiben.

Und weil das Private so politisch ist, gehen wir jeden Donnerstag zu zweit Auf Klo – wir begeben uns in einen besonders privaten Raum, um über Themen zu reden, die nur auf den ersten Blick privat erscheinen. Denn es ist natürlich ein politisches und keineswegs ein privates Problem, wenn eine Person diskriminiert wird, weil sie dick ist, Kopftuch trägt, als Frau Frauen liebt, weder Frau noch Mann ist. Die AfD nennt das geschmacklos, aber wir finden die AfD ja auch geschmacklos ¯\_(ツ)_/¯

 

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