#netbeat 30/15: Digging Deeper

Ist Internetsucht eine Krankheit? Und wie mächtig sind Blogs in Bezug auf die politische Einflussnahme? Ist der Online-Kurs nun der nächste Zukunftsstandard? Unser Streifzug durch das Netz gibt Antworten – auch darauf, was man in nächster Zeit offline machen kann.

Alles drin in den besten Links der Woche. Wöchentlich kuratiert von den Kooperateuren für Euch: Das Beste aus Netzpolitik, Kultur, Medien, digitaler Bildung, Politik und Zeitgeschichte.

Medien: Internetsucht als „Emerging Disorder“?

von Jessica Steglich

Forscher_innen der Universität Ulm haben einen starken Zusammenhang zwischen Online-Aktivität und geringer Empathiefähigkeit festgestellt. Offenbar sind Menschen, die viel Zeit im Internet und sozialen Netzwerken verbringen immer weniger in der Lage, sich in ihre „echten“ Mitmenschen hineinzuversetzen. Eine interkulturelle Vergleichsstudie zwischen China und Deutschland hat gezeigt, dass weder das Alter, das Geschlecht noch das kulturelle Umfeld das Ergebnis beeinflussen. Bei einigen exzessiven Nutzer_innen sprechen die Psycholog_innen gar von Internetsucht – diese könnte neben der Onlinespielsucht schon bald zu einer eigenständigen Krankheitsdiagnose werden.

Medien: Das allmächtige Blog?

von Rebekka Böhm

Die sozialen Medien haben doch in der Tat eine extrem hohe Reichweite. So erreicht das Facebook-Blog „Humans of New York“ (HONY) täglich zigtausende weltweit. Im Jahr 2010 gestartet, hat sich das Projekt mittlerweile zu einem Selbstläufer entwickelt. Fotograf Brandon läuft jedoch nicht nur in New York umher und postet Schnappschüsse inklusive Zitate der abgelichteten Personen. Aktuell gibt es eine Serie über Flüchtlinge in Europa. Es geht um das Teilen von Geschichten, sprich Storytelling in modernster Form. Die Posts bekommen teilweise sogar über 1 Millionen Likes. Besonders interessant sind natürlich auch die Kommentare (beliebte Kommentare bekommen etwa 20.000 Likes aufwärts). HONY richtet dadurch die Aufmerksamkeit des vorwiegend amerikanischen Publikums auf politische Themen. Man kann sich daher durchaus fragen, ob sich sich die Welt mithilfe sozialer Medien verändern lässt? Wie viel Einfluss haben Facebook, Twitter & co. wirklich? Die Kommentare bei HONY zeigen die große Anteilnahme des Publikums, teilweise entstehen sogar Spendenaktionen. Ein bisschen gruselig bleibt das Ganze aber trotzdem.

Kultur: „Show Me a Hero“ – Von Yonkers nach Harvesthehude

von Arjan Dhupia

„Show Me a Hero“ ist die neue HBO-Miniserie von David Simon, Autor hinter „The Wire“ und ungekrönter Meister des seriellen Fernseherzählens. Gewohnt kompetent erzählt er vom politischen Trubel um die New Yorker Vorortstadt Yonkers in den 1980er Jahren. Ein wütender Mob aus weißen Mittelständler_innen wehrt sich vehement gegen die Anordnung eines Bundesgerichts, neue Sozialwohnungen in (weißen) wohlhabenden Nachbarschaften zu errichten und damit der bestehenden faktischen Rassentrennung entgegenzuwirken. Simon liefert eine grandiose kleine Erzählung um ein groteskes politisches Theater in einer geteilten Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der sich die wohlhabenden weißen Wutbürger_innen ganz unverblümt um die eigenen Immobilienwerte sorgen, die mit den Sozialbauwohnungen fallen könnten. Diesseits des großen Teichs fühlt man sich da an Nachrichten aus Hamburg-Harvesthehude erinnert, wo aufgeregte Reiche sich um ihren Wohlstand sorgen und Baustopps erwirken, nur weil dort ein großes Flüchtlingsheim gebaut werden soll. Ein schrecklich aktueller Stoff also, gepaart mit der schrecklich zeitlosen Erkenntnis: „Der Mensch is guat, nur die Leut san a G’sindl“.


Quelle: Courtesy of the John D. and Catherine T. MacArthur Foundation via Wikimedia Commons (CC BY 4.0)

Digitale Bildung: Was ein MOOC leistet und wie Verbesserungen möglich sind

von Markus Uehleke

Viele sehen den MOOC (Massive Open Online Course) als zukunftsträchtiges Format der Lehre in einer digitalisierten Welt. Die Vorteile gegenüber der herkömmlichen Lehre, etwa einer klassischen Vorlesung, sind dabei offenbar: Gemäß etwa der eigenen Biochronologie lässt sich der Kurs besuchen, wann immer man möchte, und dies von jedem internetfähigen Ort aus. Die Studie „Digging Deeper into Learners’ Experiences in MOOCs“ analysiert nun das Nutzerverhalten der Teilnehmer und hebt hervor, wie sich MOOcs weiterhin betreffs der Lernerfahrung verbessern lassen. Das eBildungslabor hat die wichtigsten Punkte in einem Beitrag zusammengefasst.

Das Ganze selbst mal ausprobieren? Da hätten wir was: Am kommenden Samstag startet unser MOOC zur Deutschen Einheit. Man kann sich auch weiterhin kostenlos für diesen einschreiben! Wir sind auf Feedback gespannt!

Quelle: KOOPERATIVE Berlin

Kultur: Lateinamerikanische Filmwoche und Berliner Islamwoche

von Jessica Steglich

Freiheit und Verantwortung: Wer sich für Islam, Gesellschaft und Philosophie interessiert, sollte nächste Woche bei der Berliner Islamwoche vorbeischauen. Vom 6. bis 8. Oktober geht es neben philosophischen Fragen wie Freiheit und Verantwortung um die Grundlagen eines islamischen Bankenwesens, die Funktion einer Moschee und um Sterbehilfe. Die Veranstaltungen finden jeweils um 18:00 Uhr im Roten Rathaus, in der Sehitlik-Moschee und in der Neuköllner Begegnungsstätte Dar Assalam statt.

LAKINO: Lateinamerikanische Filmwoche. Wieder einmal findet die lateinamerikanische Filmwoche in Berlin statt. Vom 13. bis 17.Oktober sind im Babylon Kino in Berlin neue Produktionen aus Kolumbien, Chile und Mexiko, Argentinien, Brasilien Costa Rica und Peru zu sehen. Hier gehts zum Programm, das neben Dokumentationen und Fiction auch Animationsfilme für Kinder bietet.

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