#netbeat 18/16: Lasst uns feiern! Das Internet und so

#netbeat 18/16: Lasst uns feiern! Das Internet und so

Die re:publica feiert ihren zehnten Geburtstag und ist bunter denn je. Zwei Kooperateur_innen haben sich für euch ins Getümmel geworfen und berichten. Und für alle, die nicht dabei sein konnten, haben wir gesammelt: Artikel, Podcasts, Videomitschnitte. Sehenswert: die Lecture Performance zur menschlichen Müllabfuhr im Netz.

Im #netbeat_reloaded findet ihr wie immer die besten aus Netzpolitik, Kultur, Medien, digitaler Bildung, Politik und Zeitgeschichte. Diese Woche: Eine neue Studie belegt, das Vertrauen in die Medien schwindet; Snapchat wird geentert und Sibylle Berg macht keinem Angst.

 

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Jubiläum! – Blick nach vorne

von Tim Holland

Die re:publica wird dieses Jahr zehn.! 7.000 Gäste, 770 Speaker, 17 Bühnen sind angekündigt. Live gestreamt wurde hier, das „re-live“ einiger Stages wie immer hier und Podcasts da. Wo andere versonnen Rückschau auf die Erfolgsgeschichte halten, richten Johnny Haeusler Markus Beckdahl den Blick nach vorne. 2007 haben sie die einstige Nerdy Blogger-Veranstaltung ins Leben gerufen. Heute ist sie vielseitiger den je. Natürlich geht es ums Netz und dessen Überwachung, wir leben schließlich im Age Of Trotzdem. Aber ebenso um die Gesundheit von getrackten Körpern (re:health) und um immersive Kunst und darum wie wir miteinander im digitalen Raum sprechen wollen (#Hatespeech). Für das  wired-Magazin hat Häusler nun einen Artikel darüber geschrieben, was noch auf uns zukommen wird.



Die Müllabfuhr im Internet

von Tim Holland

Ist das ein weiblicher Akt von kunsthistorischer Relevanz oder eine pornografische Aufnahme? Allein aus netzpolitischer Sicht ist die Frage, wer das entscheidet, schon hoch problematisch. Noch schwieriger wird es, wenn wen man nicht nur nach den wenigen Unternehmen fragt, die die Regeln vorgeben, sondern auch nach denjenigen, die diese durchsetzen sollen. Algorithmen können unsere sozialen Netzwerke nicht alleine sauber halten, sie sind zu ungenau. Deswegen gibt es Menschen, die sich darum kümmern. Sie filtern pornographische Inhalte, Enthauptungsvideos und Sodomie heraus, damit das nicht Stream aufpoppt. Am besten hat dieses digitale Gewissen natürlich einen ähnlichen Wertekodex wie die Nutzer. Solche Arbeit macht man aber nicht in Europa, das wird outgesourct – auf die Philippinen, weil dort auch Christen leben. Wer sind diese Menschen, die sich bis zu 10 Stunden täglich den Müll anschauen? Der Theaterregisseur Moritz Riesewieck hat Interviews mit ihnen geführt und zeigt nun in einer Lecture Performance, was es mit den Menschen macht, wenn sie täglich verstörende Inhalte konsumieren.

 

 

Love and hate auf der rpTEN

von Lydia Meyer

Eines der zentralen Themen auf der zehnten re:publica ist der Hass. #HateSpeech wird in diesem Jahr aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und analysiert, es werden Wege gesucht, um das Netz wieder zu einem netteren Ort zu machen und sich den Ideen vom Anfang vielleicht wieder ein bisschen mehr anzunähern.

Eine, die sich mit den Funktionsweisen des Hasses auseinandersetzt, ist die Journalistin Carolin Emcke. Am Beispiel Clausnitz erklärt sie in ihren gleichnamigen Vortrag die #RasterdesHasses. Hass sei nicht spontan und individuell, sondern wird gemacht, speist sich aus Kontexten, aus den Rastern, die die Wirklichkeit strukturieren. Und um ihn abzuschaffen, müssen wir diese laut Emcke zunächst einmal verstehen. Der Vortrag wurde nicht aufgezeichnet, dafür gibt es eine Zusammenfassung gibt es auf wired.de

 

„Eine AfD zu ertragen und zu ignorieren ist ein Privileg, das Schwarze und People of Color nicht haben.“

-Ozan Keskinkilie

Weniger analytisch, dafür sehr emotional ist der Vortag, den Kübra Gümüşay über #OrganisierteLiebe hält. Um dem organisierten Hass im Netz etwas entgegenzusetzen, müssen wir die Liebe organisieren, so die Aktivistin und Journalistin. Trotz der Liebe im Titel, geht es im Vortrag vor allem erst mal nur um Hass. Darum, was der Hass aus denjenigen macht, an die er sich richtet. Darum, dass es Menschen gibt, die eine AfD nicht einfach ignorieren können. Und letztlich auch darum, dass wir zu meta, zu ironisch, zu arrogant sind, um einander einfach mal zu feiern und dem Hass so etwas entgegenzusetzen. Am Ende kommt dann der Appell an alle, Liebe zu organisieren. Liebe als politischer Akt. Klingt pathetisch, is aber so. Mehr über das Projekt findet ihr auf http://organisierteliebe.de/.

 

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Dienstag auf der rpTEN: Flucht, Favelas und Virtuelle Realitäten

von Merlin Münch

Neben gefühlten vierundzwanzig Panels in denen verzweifelte Medienmenschen Snapchat lernen konnten, hatte die re:publica auch ein paar ziemlich spannende Vorträge zu bieten: Columbia Professorin Saskia Sassen beschrieb am frühen Dienstag Vormittag die Ursachen für Fluchtbewegungen im globalen Süden, Julia Jaroschewski erklärte in ihrem Lightning Talk die Bedeutung von Social Media für Brasiliens Favelas. Mit ihrem Projekt „Buzzing Cities“ begleitet Jaroschweski, zusammen mit ihrer Kollegin Sonja Peteranderl, seit Jahren wie die Menschen in Brasiliens Armenvierteln ihrem Unmut über die sozialen Netzwerk Ausdruck verleihen – und damit mittlerweile immer öfter Veränderungen bewirken. Natürlich ging es auch um den Journalismus, um die Entwicklung neuer Formate und das Revival von alten Bekannten. Auf der parallel laufenden media convention ging es so zum Beispiel um die Zukunft des Podcasts, den Nutzen von VR und AR für das Storytelling und die Frage, ob Spieleentwickler die neuen Multimediagiganten sind.

 

#netbeat_reloaded: Was sonst diese Woche noch los war

 

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pd

Der „Lügenpresse“-Vorwurf ist etablierter als gedacht. Einer Studie zur Folge, die durch den Bayrischen Rundfunk in Auftrag gegebenen wurde, hält nur gut ein Drittel der Deutschen die Berichterstattung in Deutschland für unabhängig. Politik und Wirtschaft, „die Mächtigen“, sollen eigentlich die Fäden ziehen, so die Idee der Befragten. Aus der vierten Gewalt im Staat sei ein „Teil des Systems“ geworden. Die Presse berichte nur über Probleme und biete zu wenig Lösungsansätze an. Die ganze Studie hier. TH

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Happy Snapping! Das nächste soziale Netzwerk wird von Werbefachleuten geentert. Die werberelevante Zielgruppe ist schlichtweg zu attraktiv. Auf der re:publica ist das bereits offensichtlich. Patrick Beuth hat das auf unterhaltsame Weise beschrieben. Wer gesnapptes von der Kooperative möchte sollte unbedingt „Koopberlin“ mal eingeben 😉  TH

Wer hat Angst vor Sibylle Berg? Im Kino läuft gerade eine Dokumentation über eine der eigenwilligsten deutschsprachigen Autorinnen. Der Film erfindet zwar nicht das Genre neu, zeigt aber zu welchen Verrenkungen Autorinnen im Literaturbetrieb fähig sein müssen – im Gegensatz zu Männern: „Das würde man gerne mal bei Günter Grass sehen.“ TH

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