Foto: pixabay.com (CC0)

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Gebrochene Brexitversprechen und erfundene Statistiken – alles Lug und Trug in der Politik. Und dann auch noch eine Studie, die man genau lesen muss. Puh!

Im #netbeat findet ihr wie immer die besten Links aus Netzpolitik, Kultur, Medien, digitaler Bildung, Politik und Zeitgeschichte.

Diese Woche zusammengestellt von  Tim Holland und Maximilian Weis

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Brexit – was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?

Nigel Farage, seines Zeichens Vorsitzender von UKIP und starker Fürsprecher des BREXIT, hält es mit den weisen Worten Konrad Adenauers: „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern[…]“. So werden zentrale Versprechen und Kampagneninhalte der BREXIT-Befürworter im Nachhinein relativiert. Darunter auch das Wahlversprechen, dass nach dem Austritt frei werdende Gelder in das britische Gesundheitssystem investiert würden. Ein Wahlversprechen so zentral für die Kampagne, dass man damit sogar ganze Busse beklebte. Und nun? Das Versprechen ist nicht zu halten. Es wird bereits wenige Tage nach der Abstimmung widerrufen. Ein Versprechen so falsch wie der angegebene Betrag von 350 Mio. Pfund selbst. Wer kann es den Bürgerinnen und Bürgern verübeln, wenn Wahlversprechen kein Glaube mehr geschenkt wird? Im Fall notwendiger Koalitionen ist nachvollziehbar, wenn nicht alle Wahlversprechen 1:1 umgesetzt werden können. Politik lebt vom Kompromiss. Mit Versprechen zu werben, deren Falschheit bereits im Vorhinein bekannt ist, zeugt allerdings von einem unschönen Verständnis von Politik. Es sei wie es ist, die Briten haben entschieden. Ob auf Grundlage falscher Versprechungen oder nicht. Abzuwarten bleibt, ob es ein zweites Referendum für den Verbleib in der EU geben wird, und falls nicht, ob Schottland und/oder Nordirland entsprechende Konsequenzen ziehen und Referenden für den Austritt aus der Gruppe der Austreter abhalten werden. Maximilian Weis

 

 

 

 

 

Vertraue keiner Statistik, die du nicht selbst erfunden hast!

Mit der Wahrheit nehmen es von Zeit zu Zeit auch Minister_innen nicht so genau. Kürzlich stellte das Innenminister Thomas de Maizière mal wieder eindrucksvoll unter Beweis. Sprach er doch im Zusammenhang der „Flüchlingskrise“ davon, dass zu viele unberechtigte Atteste geschrieben würden, die fehlende Reisefähigkeit bescheinigen und eine Abschiebung verhindern. Er sprach gar von 70 Prozent der unter 40-jährigen Männer, die ein solches Attest bekämen. Schockierende Zahlen. Schockiernd und frei erfunden, wie de Maizière jetzt einräumen musste. Unabhängig vom vorliegenden Sachverhalt sollten besonders Minister_innen in offiziellen Aussagen keine Zahlen und Statistiken erfinden. Eine Form der Unehrlichkeit, deren Ausmaß nicht abzuschätzen ist. Auch wenn Kölner Studierende in einem Projekt „Faktenzoom“ einige Politiker_innen auf den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen hin überprüft haben. Schockierend sind auch die Ergebnisse hier, die allerdings ein wenig ihrer Sprengkraft verlieren, wenn dem „Faktenzoom“ im Nachhinein unsauberes Arbeiten und Fehler nachgewiesen werden können. Bei Aussagen von Politiker_innen sowie der Überprüfung dieser Aussagen gilt also gleichermaßen das Bonmot, das Churchill zugeschrieben wird: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht (bzw. im vorliegenden Fall des Ministers „erfunden“)hast!“ Maximilian Weis

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Die Generation Filterbubble geht steil oder doch nicht

Brexit. Facebook ist explodiert. Vor Betroffenheitsposts. Aber auch geteilten Artikeln, Kommentaren und Clips von Guardian, BBC und SZ. Alle konsumieren und diskutieren heute Nachrichten in den sozialen Netzwerken. Und wer guckt noch Fernsehen? Über welche Kanäle heute Nachrichten in Deutschland bezogen werden, das hat eine neue Studie des Hans Bredow Instituts im Auftrag von Reuters untersucht. Wie nicht anders zu erwarten: die 18-24 Jährigen sind immer weniger an Fernsehen (-10% zum Vorjahr) und klassischen Printmedien interessiert: Nur 27% der Jüngeren haben auf die Frage, ob sie in der letzten Woche eine Zeitung gekauft haben, mit ja geantwortet. Die Jüngeren bilden sich gerne online, aber sind nur bedingt bereit dafür zu zahlen. Dafür favorisieren sie PromiNews, Lifestyle und Co. und nur 54% Teens und Tweens interessieren sich noch für harte Politik. Das klingt nach einer traurigen Entwicklung, nach Zeitungssterben, Politikverdrossenheit und dem Feststecken einer ganzen Generation in der Clickbaiting-Filterbubble. Es gibt aber einen Moment, der die Studie relativiert. Wer nutzt eigentlich Social Media? In Deutschland haben nur ca. 40% der Social-Media-Nutzer eine höhere Bildung. Haben wir es also mit Zahlen zu tun, die sowieso über weniger nachrichtenaffine Milieus berichten? Tim Holland

 

 

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