Gesundheit und Sicherheit vs. freie Selbstbestimmung? Oder: Schutz der Schwächeren vs. Menschenrechte? Ein Kern des Problems in Zeiten von Social Distancing ist fehlender Erfahrungsaustausch untereinander. Doch das lässt sich durch digitale Veranstaltungen ändern. Hier findest du Tipps für drei Formate.
Ein Beitrag von: Miriam Menzel & Nina Heinrich

Zwei Hashtags liefern sich derzeit auf Twitter ein Kopf-an-Kopf-Rennen: #Covidioten und #Querdenken. Deutlicher könnte sich die gespaltene Perspektive der deutschen Gesellschaft zum Umgang mit der Pandemie kaum zeigen: Während die Gegner:innen der Maßnahmen mit Vorliebe auf das Recht auf Versammlungsfreiheit und das Recht auf freie Berufsausübung pochen, werden im Zuge von Corona eklatante Menschenrechtsverletzungen sichtbar, wie die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen und der Fleischindustrie, die Situation von Wohnungslosen und Geflüchteten – Gruppen, deren Situation sich zusätzlich verschlimmert hat.

Austausch- und Informationsformate rund um das Thema “Menschenrechte in Zeiten von Corona” können dabei helfen, den gesellschaftlichen Spalt etwas zu verkleinern, die eigene Perspektive zu erweitern, Ängste auszusprechen, Betroffene zu hören und Empörung ins Verhältnis zu setzen.

Wir glauben nicht, dass man zu allen Thema mit Jedem reden kann. Aber ein gutes Format mit einem klaren Ablauf, den richtigen Methoden und noch ein paar weitere Zutaten können dabei helfen, ein wichtiges Thema nochmal neu zu erschließen. Und wie bei allen Formaten gilt: Anpassungen und Weiterentwicklungen strengstens erlaubt!

Hier sind unsere Tipps für kleine und mittlere Veranstaltungsformate für Organisationen oder den Freundeskreis, die mehr Austausch und Zusammenhalt in der Pandemie schaffen – von superschnell bis zum eintägigen Sprint:

Variante S: Schnelle Umfrage als Einstieg & Türöffner

(10 – 15 Minuten zzgl. Vorbereitungszeit)

Dieses kurze Format eignet sich, wenn um den Wissenstand, Bedarfe oder Interessen zu checken, als einen schnellen ersten Impuls und als Einstieg für weitere Formate (s. u.) oder zum Abschluss eines Meetings.
Nutzt ein Umfragetool (z.B. in Videokonferenzsoftware integrierte Umfragen oder Umfragetools wie z.B. Mentimeter). Gib drei bis fünf Fragen und Antwortmöglichkeiten bzw. Freifelder für eigene Antworten ein.

Mach einen Mix aus geschlossenen und offenen Fragen rund um Corona und Menschenrechte, z.B.:

• Hast du schon mal die Menschenrechtserklärung gelesen?
• Waren Menschenrechte Thema in Schule, Ausbildung, Studium (Antwortmöglichkeiten: Ja / Kein / Kann mich nicht erinnern)?
• Kennst du jemanden persönlich, der sich für die Menschenrechte einsetzt? (Auch als offene Frage möglich)
• Was würdest du gern über Menschenrechte wissen? (Offene Frage)
• Stärkt oder schwächt die Corona-Pandemie deiner Beobachtung nach Menschenrechte?

Ein möglicher Umfrage-Abschluss könnte auch sein: Was ist euer Lied zum Thema? Daraus könnt ihr z.B. eine Spotify-Liste erstellen, die das Team / den Freundeskreis durch den Tag begleitet.

Verschicke die Einladung am besten gleich zusammen mit weiterführenden Links zum Thema wie z.B. diese Infos von Amnesty International zum Thema Corona und Menschenrechten.

Digitale Umfrage-Tools ermöglichen eine anonyme und schnelle gemeinsame Live-Auswertung inklusive Ableitungen (Wo stehen wir bei dem Thema? Wozu könnten wir mal eine kleine Veranstaltung machen? etc.). Je nachdem wie wichtig dir Anonymität ist, kannst du eine Umfrage ohne entsprechende Tools durchführen. Zum Beispiel in Videokonferenzen indem alle ihre Kamera aktivieren und mit farbigen Klebezetteln abdecken. Alle stellen “Galerieansicht” ein, so dass alle zu sehen sind. Jede:r stellt reihum eine Frage zum Thema. Wer zustimmt bzw. auf wen die Frage zutrifft, deckt die Kamera auf und ist für alle zu sehen.

Variante M: Zuhören & Nachfragen im Tea Time Talk

(1 Stunde zzgl. Vorbereitungszeit)

Wir in der KOOPERATIVE nennen es “Tea Time Talk”. Zur gemütlichen Nachmittagszeit laden wir uns einen Gast ein, der 20 – 30 Minuten aus dem eigenen Beruf berichtet, Methoden mit uns ausprobiert oder uns zu einer ganz konkreten Frage Auskunft gibt.

Wichtig: Wir suchen nach Perspektiven, die wir nicht im eigenen Team haben. Im Kontext “Corona und Menschenrechte” könnt ihr z. B. fragen: “Wie geht es dir? Wie schaffst du das? Was brauchst du gerade?”. Ladet Personen aus Berufsgruppen ein, die schwer von der Pandemie und den Maßnahmen belastet sind (wie Kultur, Gastronomie, Reise etc.) und trotzdem einen Umgang damit gefunden haben! Schaut, ob ihr der Person ein Honorar für den Impuls zahlen könnt.

Das Format kann als maximal einstündiges Meeting im Video Call stattfinden.

Sammel vorab Fragen aus Freundeskreis oder Company ein und nimm das moderierte Gespräch mit eurem Gast z.B. als Podcast auf. Legt auf jeden Fall eine Moderation fest, die neben den Fragen auch die Zeit im Blick hat und ggf. zusätzlich Infos zu den verschiedenen HIlfsmaßnahmen für diese Berufsgruppen reingeben kann.

Variante L: Workshop für Weiter-Entwickler:innen

(0,5 – 1 Tag zzgl. Vorbereitungszeit)

Social Brainpool: In einem mehrstündigen bis eintägigen digitalen Workshop werden die Teilnehmenden mit Vertreter:innen sozialer Einrichtungen und Menschenrechtsaktivist:innen zusammengebracht. Es geht darum, gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln, z.B. rund um die Herausforderung “Was kann und muss jetzt für die ganz besonders Hilfsbedürftigen im Zuge der Maßnahmen getan werden?”.

Die Teilnehmenden wechseln dafür durch verschieden Breakout Rooms, wo je erst ein Input zur derzeitigen Situation gegeben wird (Ziel: konkrete Situationen und Bedarfe verstehen) und es dann ans gemeinsame Sammeln von Gedanken, Fragen und vor allem Ideen geht. Das Rotieren aller durch die Räume sorgt für fruchtbare Schwarmintelligenz – und für ein Geben und Nehmen zwischen Informationen und Ideen. Hier sind auch verschiedene Vertiefungsgrade und Runden denkbar, die sich eng an Prozessen und Methoden des Design Thinking orientieren: von der schnellen Sammlung vieler Ideen z.B. mithilfe der Methode eines Ideenturms bis hin zum Prototyping in Form von Rollenspielen oder gebauten und gestalteten Prototypen.

Für die L-Variante könnt ihr auch Videokonferenztools (wie z.B. Wonder) für digitale Gruppenarbeit nutzen, in denen ihr euch selbstgesteuert in digitalen Räume bewegen könnt. Zum gemeinsamen Brainstorming eignen sich kollaborative Whiteboard-Tools wie z. B. Miro. Das kann so aussehen:

Spannende weitere Methoden für solche Formate findest du in unserem KOOPERATIVE-Methodenkartenset.

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